ERINNERUNGEN EINES RADIKALDEMOKRATEN


Hans Dolezalek

12. Juli 2006 und 3.November 2006


Motto: (1) “Demokratien führen keine Kriege gegeneinander”

(2) “Demokratien leben länger”


Angaben über den Verfasser:


Hans Dolezalek wurde 1912 in Berlin als Sohn eines Physikprofessors an der dortigen Technischen Hochschule geboren. Die Familie des Vaters geht im wesentlichen auf Oesterreich bzw. Oesterreich-Ungarn zurück, die der Mutter stammt von den Friesen der Insel Sylt. Er besuchte 1925 bis 1930 das damalige"Reformrealgymnasium Berlin-Lichtenrade", wo er, vor allem unter dem Einfluß von Theodor Feigel, eine solide historische Ausbildung und eine Neigung zur freiheitlichen Form des Zusammenlebens der Menschen erwarb. Im Zweiten Weltkrieg war er ein Leutnant (mit EK I usw.) im 1.Fallschirmjäger-Regiment und danach Kriegsgefangener der Amerikaner. 1950-1960 als Physiker im deutschen Wetterdienst. Er wanderte 1961 in die USA aus, um dort wissenschaftlich zu arbeiten und wurde 1993 vom Office of Naval Research der U.S.Navy pensioniert. Während der mehr als dreißig Jahre in den USA waren jedes Jahr mindestens eine Reise nach Europa und Deutschland, und zwei volle Jahre beim Londoner Büro des Office of Naval Research.



Ausdruck vom 15. März 1996

Inhaltsübersicht


Vorbemerkungen........................................................................................................3


Einleitung: Platz der Radikaldemokraten in der politischen Ideengeschichte.............4


Geschehnisse vor 1933..............................................................................................5

Eigene Vorgeschichte...................................................................5

Entstehung der Radikaldemokratischen Partei.............................5

Angaben über Hans Keibel...........................................................6


Einige Betrachtungen zur Vorstellungswelt der Radikaldemokraten ................ ........9


Das erste Halbjahr 1933...........................................................................................13

Änderung des Arbeits-Schwerpunkts.........................................14

Verhaftung.................................................................................14

Nach der Freilassung.........................................................15


In Deutschland nach 1945, und in Amerika 1991 bis 1995.......................................19

In Deutschland 1945-1960...........................................................19

Lehrjahre in Amerika....................................................................20

Start zu einem neuen Anfang.......................................................21


Kritische Betrachtung zur damaligen Vorstellungswelt, von 1996 aus gesehen........ 24

Bemerkung zur innenpolitischen Lage 1930.............................24

Bemerkung zum Pazifismus der Radikaldemokraten...............24

Radikaldemokraten und damalige Streitbegriffe.......................25

Kritik meiner eigenen Äußerungen...........................................26


Nachtrag...............................................................................................................................................26

Literaturnachweise................................................................................................................................27

Kampflied der RDP.........................................................................................................29


(insgesamt 29 Seiten, plus Anlage)












Vorbemerkungen:


Die folgende Niederschrift der "Erinnerungen eines Radikaldemokraten" erfolgte zunächst nur aus dem Gedächtnis. Als die GESTAPO mich am 16. Mai 1933 verhaftete, beschlagnahmte sie alles Material, welches auch nur entfernt mit meiner politischen Tätigkeit zu tun hatte, und gab es nie zurück. Was ich vielleicht noch gehabt hätte, wäre während des Krieges in meinem Büro im Hauptgebäude der Technischen Hochschule Berlin - als ich im Feld war - verbrannt.


Durch einen gradezu unwahrscheinlichen Zufall erfuhr ich Ende 1995, daß ein mir bis dahin unbekannter Herr Lothar Fuhlrott in Mainz dabei ist, einen Bericht über die Radikaldemokraten zu verfassen11. Ich hoffe, er kann das zu einer Doktor-Dissertation ausbauen. Er hat mir Kopien sowohl der "Radikaldemokratischen Blätter" von September 1931 bis Februar 1933 und der Jugendzeitschrift "Der Radikale Demokrat" von Dezember 1930 bis Februar 1933 zu lesen gegeben, außerdem drei andere Ausarbeitungen, siehe den Literaturnachweis am Ende dieses Essays. Daraus habe ich ersehen, daß ich an meiner ersten Niederschrift (als "Erinnerungen") fast nichts zu korrigieren brauchte (mein Gedächtnis bewährte sich als besser, als ich selber das gehofft hatte), wohl aber brachten diese Schriften eine ganze Reihe weiterer Einzelheiten in mein Gedächtnis, welche ich nicht mehr bedacht hatte. Diese Einzelheiten veranlassten mich nun, eine vom heutigen Standpunkt2 her bestimmte Auslegung unserer damaligen (1930-1933) Anschauungen anzufügen, welche der nachfolgenden Niederschrift als ein letzter Abschnitt angefügt wird.

Ich sollte ausserdem auch eingangs feststellen, daß das Wort "Radikaldemokrat" damals (mindestens von uns) anders verstanden wurde, als es heute manchmal der Fall ist. Es bedeutete damals nichts anderes als "wirklicher Demokrat", aus Überzeugung. Es war durchaus keine Festlegung auf spezielle Formen der Demokratie, zum Beispiel auf "partizipatorische Demokratie" - diese Frage blieb offen.


Und schließlich: Meine Jahre 1933 bis 1940 waren vor allem der "Auslandsarbeit" gewidmet. Es gab in diesen Jahren auch einige politische Aktivitäten, politische Angriffe und Gefährdungen, die aber nichts mit dem eigentlichen demokratischen Problem zu tun haben und deshalb hier nicht berichtet werden. Sie finden sich z.T. in meiner, andernorts erwähnten Holocaust-Ansprache, in der einen oder anderen biographischen Skizze, und sollen vielleicht einmal geschlossen berichtet werden. Die Soldatenjahre 1940 bis 1945 sind in einem eigenen umfangreichen Bericht beschrieben worden.

Einleitung:

Platz der Radikaldemokraten in der politischen Ideengeschichte


Richard von Weizsäcker, damals Bundespräsident, sagte am 30. Januar 1983 im Reichstagsgebäude in Berlin, daß die Nationalsozialisten nicht deshalb zur Macht gekommen seien, weil es so viele von ihnen gab, sondern weil es in der Weimarer Republik zu wenig wirkliche Demokraten gab. Nachdem im Jahre 1930 die Deutsche Demokratische Partei sich mit dem Jungdeutschen Orden und anderen rechtsgerichteten Organisationen zur Deutschen Staatspartei vereinigt hatte, blieben von ihren Mitgliedern und Anhängern diejenigen, die diesen Verrat an der Demokratie nicht mitmachen wollten, als Radikaldemokraten die einzige politische Partei bis 1933 in Deutschland, die das demokratische Ideal in etwa der Form aufrecht erhielten, die wir heute in der Grundlage demokratischer Staaten finden. Sie sind ideengeschichtlich die wahren deutschen Vorgänger der heutigen Bundesrepublik (obwohl es natürlich auch da Unterschiede gibt -wir alle sind inzwischen durch eine Schule gegangen, die unsere Vorstellungswelt nicht unangetastet ließ).


Obwohl es bei den Radikaldemokraten eine Anzahl hervorragender und auch bekannter Politiker gab, war es doch, von heute aus gesehen, schon bei der Gründung ihrer Partei 1930 klar, daß sie kaum mehr Aussicht hatten, die demokratischen Versäumnisse der vorhergegangenen 12 Jahre wieder gut zu machen; "grau ist unsrer Hoffnung Panier", wie es in ihrem Kampflied hieß. Noch nicht deutlich, aber halb unbewußt, hatte die Unkenntnis des Wesens der Demokratie im deutschen Volk und auch in den demokratischen Parteien selber eine Unsicherheit gelassen, die nicht durch guten Willen allein zu besiegen war. Das war der Grund, warum es "zu wenig wirkliche Demokraten" gab. So wurden die Radikaldemokraten "aufrechte Linksliberale ohne Erfolg", wie Burkhard Gutleben sie 1986 genannt hat (siehe Literaturnachweise)


Es ergibt sich, daß aus dieser "Patenschaft" der Radikaldemokraten über mehr als 60 Jahre hinweg eine Botschaft gültig blieb, die heute als Forderung wieder vor uns steht und als solche erkannt und aufgegriffen wird. Das "demokratiasche Defizit" muß überwunden werden.

Geschehnisse vor 1933


Eigene Vorgeschichte


Außerhalb der Schule (wie auf Seite 2 angemerkt) wurde meine Erziehung zum Demokraten entscheidend gefördert durch ein zufälliges, kurzes Zusammensein mit Adolf Hitler und Joseph Goebbels alleine in einem kleinen Raum, etwa 1928 oder 1930 (Tagebücher von der Zeit sind nicht mehr vorhanden). Die beiden führten dem von ihnen völlig unbeachteten Zuschauer ein fast groteskes Zerrbild militärischen Protokolls vor und demonstrierten dabei ein so völliges Verfallensein des einen an den anderen und die so sehr bereite Entgegennahme solchen Verfallenseins durch den anderen, daß der Zuschauer (ich) dadurch gegen alle zukünftige Propaganda von dieser Seite gefeit wurde (leider sehr im Unterschied zu den meisten seiner Altersgenossen)3. Ich wurde ein Mitglied der Paneuropäischen Union des Grafen Coudenhove-Kalergi, den ich mehrmals in kleinem Kreise reden hörte und für den ich viel Propaganda unter meinen Freunden und Verwandten machte - und ich sah mich nach einer demokratischen politischen Gruppe um.



Entstehung der Radikaldemokratischen Partei


Damals - um 1930 - geschah es, daß einer der Leiter der ursprünglich recht einflußreichen, inzwischen aber politisch sehr beschränkten deutschen Partei, der DEUTSCHEN DEMOKRATISCHEN PARTEI (DDP), öffentlich erklärte, daß die Demokratie nichts tauge und daß eine "milde Diktatur" notwendig sei. Wenn ich mich recht erinnere, war es Höpker-Aschoff, der dieses sagte, und weder Theodor Heuß noch Erich Koch-Weser widersprachen ihm öffentlich. Dieses Anstreben einer "milden Diktatur" wurde dann auch das de facto Glaubensbekenntnis der DEUTSCHEN STAATSPARTEI, in die sich die DDP wandelte, nachdem sie sich mit dem durchaus "rechts" gerichteten JUNGDEUTSCHEN ORDEN und anderen, ähnlich gesinnten Gruppen verbunden hatte4. -- Ich habe viel später, etwa 1990, den damaligen Inhaber der Zeitschrift DIE ZEIT, Gerd Bucerius, in Hamburg aufgesucht und ihn gefragt, welche Gründe denn hinter jenem Zusammenschluß standen5. Seine Antwort war für mich erschütternd, etwa so: "Nun, wir in der DDP verloren von Wahl zu Wahl mehr Stimmen, und dasselbe galt für den Jungdeutschen Orden. Wir dachten, wir sollten unsere Stimmen zusammenlegen.6" Wie es schien, waren ideologische Überlegungen an dieser Enscheidung überhaupt nicht beteiligt. Ideologie war aber damals ein wichtiger Faktor in der Meinung der deutschen Bürger - hatte man nicht einmal das erkannt? Natürlich ging der Verlust an Stimmen auch nach der Zusammenlegung weiter.


Es gab jedoch eine Gruppe von Mitgliedern der DDP, welche diese Bankrott-Erklärung der Demokratie nicht mitmachen wollte. Zu ihnen gehörten der Reichstagsabgeordnete Rechtsanwalt Braubach, (der 1936 starb), der Friedens-Nobelpreis-Träger Ludwig Quidde (1858-1941), der 1933 in die Schweiz ging; der Politiker Hellmut von Gerlach (1866-1935), er ging 1933 nach Paris - und ein junger Mann mit erheblichem ideellem Einfluß, Hans Keibel, der ebenfalls noch 1933 entkam und um 1960 in Israel gestorben ist. Dies ist die Gruppe, der ich mich anschloß. Sie nannte sich RADIKALDEMOKRATISCHE PARTEI (RDP) und hatte anfangs einen, später keinen Reichstagsabgeordneten mehr. Die Frage, warum die DDP laufend an Einfluß verloren hatte und warum die RDP keinen solchen gewann, wird weiter unten diskutiert werden.



Angaben über Hans Keibel


Zunächst noch weitere Mitteilungen, Hans Keibel betreffend. Aus den noch vorhandenen Papieren (siehe Vorbemerkung und Literaturnachweise) geht es nicht so hervor, aber nach meiner Erinnerung war er mindestens im Jahre 1932 die stärkste emotional treibende Kraft der Radikaldemokraten, auch gehörte er der intellektuell führenden Gruppe in der Partei an. Ich glaube mich zu erinnern, daß der Aufbau einer "kämpfenden Gruppe" innerhalb der Radikaldemokratischen Partei, nämlich der "Grauen Front" ebenso wie der Entwurf einiger ihrer Symbole zwar wohl nicht auf ihn zurückgeht, aber von ihm dann stark gefördert wurde.. Dazu gehörte die Uniform: ein graues Hemd mit einer schwarz-rot-goldenen Armbinde, (die einen goldenen Blitz trug) und vermutlich auch die Anregung, eine Art Hymne zu dichten und in Musik zu setzen7. Ebenso glaube ich mich zu erinnern, daß er bis zum 31. März 1933 der Leiter der Organisation "Radikaldemokratische Jugend" war. Damals wurde freilich erkannt, daß ein jüdischer Leiter zukünftig ungünstig sein würde, und so wählte die "Radikaldemokratische Jugend Berlin/Brandenburg" mich am 1. April 1933 zu ihrem Leiter. Da mir die GESTAPO nach meiner Verhaftung deutlich bewies, daß sie mich in allen meinen Bewegungen überwacht hatte und also überwachen konnte, durfte ich nach meiner Freilassung die alten Verbindungen nicht wieder aufnehmen, denn anders wären nicht nur ich, sondern auch meine Partner in Gefahr gekommen. Vielleicht hat das etwas dazu beigetragen, daß Hans Keibel Zeit fand, sich in die Tschechoslowakei abzusetzen, ehe die GESTAPO oder SS zu ihm kamen. Das brachte ihm das Flüchtlings-Schicksal, durch das er in die Schweiz, nach Spanien und Chile, die USA, in das Nachkriegs-Deutschland und nach Israel geführt wurde. Er soll etwa 1960 gestorben sein, offensichtich nach einem schweren Leben; wie es heißt, leben zwei Söhne von ihm in Israel. Diese Nachrichten habe ich von Frau Jane Keibel aus New York bekommen, die ich - nachdem das Holocaust-Museum in Washington geöffnet worden war, über es, die Jüdische Gemeinde in Berlin und das Gemeindeamt in Bad Mergentheim - gefunden hatte und mit der ich 1994 telefonierte. Ich habe nicht ganz verstanden, oder nicht sicher feststellen können, in welchem Verwandtschaftsverhältnis sie zu Hans Keibel stand. - Hans Keibel ist eine führende Persönlichkeit der ideen-geschichtlich wichtigen demokratischen Einstellung der Jahre von 1930 bis 1933 gewesen, die ja nicht nur in der Radikaldemokratischen Partei sondern auch in vielen überzeugt-demokratischen Individuen im Deutschland jener Zeit weitergelebt hat8. Als Partei war die RDP die wahre Vorgängerin der späteren Bundesrepublik Deutschland.


Einige Betrachtungen zur Vorstellungswelt der Radikaldemokraten.


Unsere damalige Vorstellungswelt ist mir noch gut im Gedächtnis. Ich kann aber nicht die Möglichkeit abstreiten, daß spätere Erfahrungen und Erkenntnisse sich in meine Erinnerung eingeschlichen haben, ohne daß ich heute in der Lage wäre, sie wieder klar abzutrennen. Danach waren damals bei uns Zweifel vorhanden, ob es wirklich der Versailler Vertrag vor allem war, durch den der Erfolg der nationalsozialistischen Propaganda begründet wurde. Schließlich hatten die anderen Verlierer des ersten Weltkriegs z.T. prozentual größere Verluste hinzunehmen als das Deutsche Reich. Auch die Wirtschaftskrise von 1929 an war nicht der Hauptgrund: sie wütete in den USA viel schlimmer als in Deutschland. Aber in Deutschland wurden diese beiden Schadensquellen propagandistisch hochgespielt, und keine wahrhaft demokratische Kontrolle verhinderte oder verminderte das. Die sogenannt "demokratischen" Parteien nach 1918 haben es nicht fertiggebracht, in Deutschland eine breite, offene und gründliche Diskussion über das Wesen der Demokratie und die Voraussetzungen demokratischen Lebens in Gang zu setzen und zu erhalten - offenbar, weil sie sich selber darüber nicht klar waren. Das hätte trotz (und zum Teil gerade wegen) all der Widrigkeiten stattfinden müssen, trotz einiger bürgerkriegs--ähnlicher Situationen nach 1918, und auch trotz der Inflation. Wie schon einleitend mitgeteilt, hat der damalige Deutsche Bundespräsident Richard von Weizsäcker im Reichtstagsgebäude in Berlin am 30. Januar 1983 festgestellt, daß die Weimarer Republik zugrundeging, nicht weil es zu viele Nationalsozialisten gegeben hätte, sondern weil es zu wenige wirklich überzeugte Demokraten gab. Wie wahr! So bestand auch bei den Radikaldemokraten eine, zwar immer noch etwas nebelhafte, Überzeugung, daß der tiefste Grund für das Heraufkommen von Hitler die von uns nicht nur erkannte, sondern auch immer wieder erlittene Tatsache war, daß die Deutschen nicht wußten, was Demokratie ist. Wie hätte es da "wirkliche Demokraten" in großer Zahl geben sollen!


Es wurde schon oben angedeutet, daß solche Unkenntnis zu Unsicherheiten führte. So entstanden z.B. auch die Schwankungen in der Meinung und in den Äußerungen von Ludwig Quidde. Die Radikaldemokraten stellten Forderungen, aber sagten kaum etwas über die Verwirklichbarkeit dieser. Gerade sie hätten auf die Wurzeln ("radix" = Wurzel) zurückgehen sollen. Einige Sozialdemokraten hatten wenigstens schon recht früh erkannt, daß man die Natur des Menschen betrachten müsse und verwandten in ihrer inner-parteilichen Erziehung und in der Propaganda z.B. das Wort "Der Mensch ist gut". Aber auch sie waren an der Oberfläche geblieben. Es war damals bereits die Zeit, zu der die ersten Arbeiten von Otto Vossler erschienen9, in denen er nachgespürt hatte, was die Amerikaner aus ihrer eigenen Geschichte und anderen Quellen10 über die Natur des

"politischen" Menschen erfahren, formuliert und in ihren politischen Theorien angewandt hatten. Diese freilich noch unvollkomenen Erkenntnisse gewannen keinen politischen Einfluß in Deutschland.


Für die Ideengeschichte der Demokratie in Deutschland ist es interessant, daß die Notwendigkeit einer Theorie der Demokratie von uns aus den innerdeutschen Gegebenheiten der Weimarer Republik abgeleitet wurde, unabhängig von den freilich, vor allem in anderen Ländern, vorhandenen politisch-philosophischen Erkenntnissen . Es bedurfte dazu nicht erst der Ankunft der Amerikaner, die nach 1945 ihr eigenes Modell als ein anzunehmendes oder abzulehnendes Beispiel hinstellten11. Jene Notwendigkeit war entstanden aus der endlichen Ablehnung der (ihrem Wesen nach kontra-demokratischen) allgemeinen Ansicht unter den deutschen Gebildeten, daß die Politik fast etwas schmutziges sei, dem sich ernsthafte Menschen nicht widmeten. Freilich, vor allem auf Universitäten, gab es die vielfältigen und sich oft widersprechenden Ansichten der Staatsphilosophie, und ihren Vertretern waren Tatsachen und historische Gegenbenheiten mehr oder weniger bekannt und oft umstritten, deren Kenntnis unseren Eltern und den meisten unserer Erzieher offenbar als unwichtig erschienen war. Sie wurden vermutlich als "Philosophie" angesehen, akademisch interessant, aber jenseits einer möglichen praktischen Anwendung. Es galt also, erst einmal zu erkennen, daß Befassung mit der Politik eine vornehme Pflicht des Bürgers sei, um danach daran zu gehen, von den Staatsphilosophen (und Rechtsgelehrten) Hinweise zu erhalten und zu einer Theorie der Demokratie zu gelangen. Es war beides notwendig. Das wenigstens, glaube ich, hatten die Radikaldemokraten selber erkannt.


Die Radikaldemokraten waren - in der Sprache der deutschen Innenpolitik12 - so weit "links" wie man gehen konnte, ohne Marxist zu werden. Trotzdem hatten wir eine Art Bündnis mit den Sozialdemokraten (die damals noch voll marxistisch waren) geschlossen und gehörten zur "Eisernen Front" (die allerdings alles andere als "eisern" war), und wir verwandten sowohl den Gruß "Freiheit" mit ausgestrecktem rechtem Arm und geballter Faust, als auch das Abzeichen der drei schräg nach unten gerichteten Pfeile. Die heute sicherlich überraschende Tatsache, daß wir Uniformen und Worte wie "Gau" und "Führer" wie die Nazis verwendeten, zeigt, daß wir uns auf den Kampfboden eben gegen diese Nazis begeben wollten; das war damals die Logik.


Die politisch-philosophische Situation war für die Radikaldemokraten alles andere als günstig. Abgesehen von dem traditionellen, durch mehrere Jahrhunderte sich erneuernden deutschen Mißtrauen gegen die amerikanische Demokratie, von der man infolgedessen auch kaum Notiz nahm, war auch in der Lehrerausbildung an deutschen Universitäten vor 1918 nur wenig Gewicht auf die Geschichte irgendwelcher demokratischer Staatsformen gelegt worden. Das mußte sich offenbar für die kurze Zeit der Weimarer Republik auf den Unterricht in den Schulen auswirken; ein anders an einer anders eingestellten Universität ausgebildeter Nachwuchs kam noch nicht oder nur sehr langsam nach. Freilich gab es überall Lehrer, die von sich aus nach neuen Gesichtspunkten suchten und sich solche auch erarbeiteten13, aber auch das war ein langsamer Prozeß, gehindert durch die allgemeine Entwicklung vor allem in den Jahren 1918 bis 1924. Obwohl emotionell demokratisch verwurzelt, war die intellektuelle, spezifisch auf die Theorie der Demokratie gerichtete Basis daher auch bei den Radikaldemokraten nur schwach.


Ihnen gegenüber standen auf der "linken" Seite hingegen Menschen und Gruppen, die in der marxistischen Theorie relativ gut ausgebildet waren. In einigen Punkten waren uns Gegenargumente bekannt, von denen eines, die marxistische Arbeitstheorie des Wertes14 betreffend, hier als Beispiel angeführt werden soll:


In einer Fabrik läuft eine Maschine, die nach der Arbeitstheorie des Wertes 100 000 Mark wert ist, und die in der Stunde 5000 Glühlampen herstellt. Nun hat jemand eine gute Idee, nach ihr wird eine Maschine gebaut, deren Arbeitstheorie-Wert nur 50 000 Mark ist, die aber je Stunde 10000 Glühlampen herstellt. Frage an den kommunistischen Diskussionsgegner: Was ist nun die ältere Maschine wert? Wir weisen darauf hin., daß sich solche Ereignisse im Wirtschaftsleben dauernd abspielen, daß in ihnen ein wesentlicher Grund für den Fortschritt liegt - und daß für den Kommunisten dies ein sehr wichtiges Problem ist, weil man ja wissen muß, wie man den Wert berstimmt, wenn man den Mehrwert berechnen will, den der Kapitalist dem Arbeiter wegnimmt. -- Ich weiß nicht, ob es für diese Argumentation eine stichhaltige Widerlegung gibt, gehört habe ich sie noch nicht.


Aber weder diese noch andere ähnliche Argumentationen verändern schnell und wirksam die Meinung eines Kommunisten, der zu wissen glaubt, daß die Reichen die Armen bewußt und absichtlich arm halten. Für ihn war der Begriff der "Gleichheit" von starker emotionaler Bedeutung, hingegen der Begriff der Freiheit nicht -- ähnlich wie im Frankreich des 18. Jahrhunderts bei den armen Massen. Dagegen konnten wir im Endeffekt nicht an, uns fehlte die Kenntnis der Grundlagen der Demokratie.


Nicht viel besser stand es auf der "rechten" Seite. Dort trafen wir auf Diskussionspartner, die mit Leichtigkeit auf die positiven Seiten der großen deutschen Geschichte weisen konnten. Die wollten wir ja nicht angreifen, aber wir hätten gerne weitere positive Beispiele aus der Geschichte der Demokratien angefügt, kannten aber keine. Auch war die Kenntnis anderer Länder bei unseren Diskussionspartnern, aber vor allem auch bei uns selber, äußerst mangelhaft.


Diese unsere Schwächen machen es klar, daß die Radikaldemokratische Partei kaum Aussicht hatte, im Deutschland der Jahre 1930 bis 1933 einen wesentlichen politischen Einfluß auszuüben. Uns selber waren diese Schwächen zunächst nur unklar bewußt: es fehlte auch uns die theoretische Grundlage, die eine demokratische Partei in Deutschland - wie überall - gebraucht hätte B Ja, in der Tatsache wußte man nicht einmal, was eine Demoratie ist und was sie von jedem Bürger verlangt.


Damals wussten auch die Gebildeten in Deutschland (außer wenn sie einen besonderen Anlass dafür hatten), nur sehr wenig über die USA, In der Schule wurde so gut wie nie etwas über die USA gesagt; der Name Jefferson war vollkommen unbekannt, Die französische Revolution von 1789 wurde ausführlich behandelt - und vielleicht sagte der Lehrer dann auch so etwas wie AZur gleichen Zeit wurden die Vereinigten Staaten unabhängig von England@. Nun, Unabhängigkeiten hatte es ja schon mehrfach in der Geschichte gegeben (z.B. Holland von Spanien); das schien also nichts Besonderes zu sein. Um es nochmals zu sagen: Jefferson erklärte bewußt ( !! ) nicht nur die Unabhängigkeit von England, sondern auch die Unabhängigkeit von der bis dahin herrschenden Vorstellung von der Stellung des Bürgers,


Nach unserer persönlichen Erfahrung glauben (unbewußt) noch heute viele Gebildete in Deutschland , dass die Amerikanische Revolution (von 1776) eine Folge der Französischen Revolution (von 1789 !!) war. Wenn man die Zeit aber genauer studiert, findet man, dass die Amerikanische Revolution (der durch sie ausgelöste Krieg mit England wurde mit Hilfe der in Amerika gegen England kämpfenden Franzosen gewonnen) durchaus einen Einfluss auf das Denken der Franzosen in der Zeit vor der Französischen Revolution hatte.(wer interessiert ist, möge mich das wissen lassen - ich führe das dann im Einzelnen aus).

,

Die weltweite Bedeutung der ADeclaration of Independence@ vom 4. Juli 1776 war auch noch 1960 kaum einem gebildeten Deutschen bewusst und erst in unseren Jahren (wir haben jetzt 2006) geht sie langsam auf. Kaum Einer macht sich klar, dass Thomas Jefferson mit seiner ADeclaration of Independence@ vom 4. Juli 1776 der Schöpfer der modernen Demokratie wurde (AAll men are created equal@ - bis dahin sah man den Mitmenschen vor allem als einen Angehörigen einer sozialen Klasse).



Das erste Halbjahr 1933.



Änderung des Arbeits-Schwerpunktes


Wenn ich mich recht erinnere - auch aus dieser Zeit habe ich keine Tagebuchaufzeichnungen mehr - saß ich zufällig am Abend des 30. Januar mit einer Begleiterin in einem Café in der Nähe der Reichskanzlei. Der draussen vorbeiziehende Fackelzug kam uns natürlich überraschend, und die Begeisterung der Menschen in der U-Bahn bei der Heimfahrt machte uns unsere Isolierung fühlbar und verwirrte uns auch. In den folgenden drei Monaten versuchte man, die Zeichen nicht zu sehen, die von hinterher gesehen nur zu deutlich waren. Aber als ich am 1.April 1933 zum "Führer der Radikaldemokratischen Jugend Berlin-Brandenburg" gewählt wurde, dämmerte es uns, daß unsere Aktionsweise hinfort ganz anders sein müsse. Wir glaubten immer noch, daß Hitler in spätestens einem Jahr "abgewirtschaftet" sei, wie die Regierungen der letzten Jahre vorher. Wir dachten kaum an die Möglichkeit, daß unsere Partei verboten werden würde, obwohl das nur kurze Zeit darauf geschah. Hitler hatte ja vor nur wenigen Wochen geschworen, daß er die Weimarer Verfassung schützen würde. Wir hatten natürlich auch nicht erkannt, daß bereits am 25. März der stufenweise Prozeß eingesetzt hatte, alle deutsche Polizei unter die SS zu bringen. Aber es war klar, daß wir einen neuen Weg finden mußten.


Von heute aus gesehen, hatte ich, als der neue Führer der Radikaldemokratischen Jugend, verschiedene Möglichkeiten. Eine dieser Möglichkeiten wäre gewesen, dem Beispiel einer sehr verehrten Dame zu folgen, die nur wenig älter war als ich: Marion Gräfin Dönhoff schloß sich den Kommunisten an, weil - wie sie mir später schrieb - diese die Einzigen waren, die wirklich etwas gegen Hitler taten. Nun, das war eine Möglichkeit für sie als einzelne, für uns als Gruppe war sie untragbar, weil sie die Unterordnung unter Befehle aus Moskau bedeutet hätte. - Auf die Straße gehen und laut gegen Hitler zu protestieren, wie wir es vorher getan hatten, wäre zwar "heldenhaft" gewesen, aber wirkungslos: noch ehe die Leute bemerkt hätten, daß da eine Demonstration war, wären wir alle schon auf unserem Weg in's Gefängnis und dann in's Konzentrationslager gewesen. Um einen Satz des Vaters von Richard von Weizsäcker aus der damaligen Zeit zu zitieren: wir hätten zwar Märtyrer geschaffen, aber damit nichts am Lauf der Geschichte geändert, zum Beispiel wäre deswegen kein Jude weniger umgebracht worden. - Als eine bisher öffentliche Gruppe, deren Mitglieder ihrer Umgebung und daher auch den Nationalsozialisten bekannt waren, in den Untergrund zu gehen und von da aus gegen Hitler zu agieren, war offenbar unpraktisch. - Alle diese Möglichkeiten schlossen zudem den einen Nachteil ein: Das, was wirklich für die Bildung einer Demokratie notwendig war, nämlich ihre Grundprinzipien zu erkennen und zu verbreiten, wäre unterblieben, unser Daseinszweck wäre verloren gegangen (daß er sowieso verloren war, sahen wir damals noch nicht)..


Ich schlug am 1. April einen anderen Weg vor: wir wollten Arbeitsgemeinschaften bilden, um die Grundprinzipien der Demokratie zu studieren, zu verstehen und sie schließlich in einer weithin verständlichen Art zu verbreiten; sodaß, wenn Hitler wieder abtreten würde, wenigstens eine Gruppe in Deutschland wußte, worauf es ankam. In Bibliotheken sollte das Athen von Perikles studiert und danach in der Gruppe diskutiert werden, einzelne Mitglieder sollten sich den verschiedenen demokratischen Versuchen in der späteren europäischen Geschichte widmen und uns unterrichten; speziell galt es, die Schweiz zu kennen; wir alle wollten etwas von Montesquieu lesen - er war der einzige Staatsphilosoph, von dem wir wußten. Niemand von uns hatte auch nur gehört, daß solche Arbeit schon vorher - 150 Jahre eher - geleistet worden war, am nachhaltigsten in Amerika. Auch schien das ein so akademisches Unterfangen zu sein, daß die Regierung uns das sicherlich tun lassen würde - so dachten wir.


Das alles erscheint, auch von heute aus gesehen, logisch, wenn auch beschattet von einer falschen Interpretation der Motive und Vorgehensweisen der neuen Regierung. Dennoch muß ich mich fragen, ob das wirklich die Motivation war. War es nicht vielmehr eine Realisation einer noch unklar gefühlten Angst, gespeist von dem Gefühl einer Verantwortlichkeit gegenüber den 16- bis 18-jährigen, die da vor mir saßen, und gegenüber deren Eltern, die uns, mich, nach dem am wenigsten gefahrvollen Weg suchen ließ - oder gar nach einem face-saving Ausweg?


Als Einzelner hatte ich offenbar doch noch andere Gedanken. Jedenfalls entwarf und berechnete ich als als angehender Physiker eine von jedem verwirklichbare Maschine, mit der man Flugblätter unter die Leute bringen konnte, ohne gefaßt zu werden. Ich hatte noch keinen solchen Apparat gebaut, aber die Entwürfe wurden von der GESTAPO gefunden, als ich verhaftet wurde - und mir wurde ausdrücklich deswegen eröffnet, daß ich zu erschießen sei (tatsächlich ist etwa vier Jahre später ein Mann wegen eines ähnlichen Planes in Plötzensee hingerichtet worden).


Ich kann mich nicht mehr erinnern, was ich in den nächsten anderthalb Monaten tat. Vielleicht habe ich die Erinnerung unbewußt unterdrückt, weil ich offenbar nicht das tat, was ich hätte tun sollen. Soviel ich weiß, wurde unsere Partei und alle ihr etwa angeschlossenen Organisationen im April von der Regierung verboten, und ich konnte vermutlich noch keinen guten Weg finden, wie unser Vorhaben mit den Arbeitsgemeinschaften anzufangen wäre.



Verhaftung


Am 16. Mai 1933, morgens gegen 6 Uhr kam meine Mutter in mein Schlafzimmer, ihr Gesicht so weiß wie das Nachthemd, das sie trug, und sagte: "Hans, die Geheime Staatspolizei!" Damit traten auch zwei zivil gekleidete Beamte in mein Zimmer und schrieen mich an: "Wo ist die Pistole?" Ich war verwirrt, denn natürlich hatte ich keine (und hatte nie eine gehabt). Das haben die beiden dann wohl auch gemerkt, sie befahlen mir, mich anzuziehen und fingen an, im Haus herumzusuchen. Ich mußte unseren größten Koffer bereitstellen, der war bald mit beschlagnahmtem Material gefüllt, Papiere, Briefe, Karteien, Entwürfe, usw. Dann mußte ich den Koffer tragen, mit den beiden Beamten in die Strassenbahn steigen, meine Fahrkarte bezahlen, und zum Polizeipräsidium Berlin-Alexanderplatz fahren. Dort begannen die beiden, das beschlagnahmte Material durchzusehen, mich dabei viel zu fragen - und sie entdeckten den Entwurf für die Flugblatt-Verteilungs-Einrichtung. Die erste Nacht verbrachte ich in einer Einzelzelle, danach kam ich in einen etwa 100 m2 großen Kellerraum, dessen Decke durch drei Säulen in der Mitte gestützt wurde. Oben unter der Decke an einer Seite waren eine Reihe kleiner Fenster, gegenüber dem Eingang; an dem rechten Ende ging es zu einem Raum mit Toilette und Wascheinrichtungen.. An beiden Längsseiten standen hölzerne Pritschen, mit etwas erhobenen Kopfauflagen, ohne Matratzen und ohne Decken und Kissen, blanke Holzbretter. In dem Raum waren etwa 120 Gefangene, alles Männer sehr verschiedenen Alters und sehr verschiedener Herkunft. Einer von ihnen war Dr.Dr.Dr.Dr.Dr. Hammer, mit einem sehr erheblichen Leibesumfang und einem langen Bart, der den einzigen ihm verbliebenen Beruf ergriffen hatte, in dem alle seine fünf Doktorate ihm helfen konnten: Verteidiger vor einem Patentgericht. Da die Holzpritschen nicht für alle zum gleichzeitigen Liegen ausreichten, bewegte sich in der Mitte des Raumes, um und um die drei Säulen herum, eine dauernde Prozession von diskutierenden Männern. Unter uns waren auch einige Nazis, aber es wurde bald klar, daß sich unter uns eine kommunistische Organisation befand. Offenbar nach einem vorher gefaßten Plan wurde ich dreimal angesprochen, um für die Kommunisten geworben zu werden, jedesmal auf einem anderen geistigen Niveau und jedesmal mit einer anderen Philosophie, einschließlich des Atheismus. Es wurde Schach gespielt, das Schachbrett auf einem Schuhkarton gezeichnet, die Schachfiguren aus Brot geformt. Es befanden sich zwei Messer im Raum, offenbar verboten, die waren von vielem Gebrauch über viele Jahre hin schon ganz schmal abgeschliffen. Hin und wieder wurde ein Neuer hineingebracht - manchmal war der sehr bedrückt, dann versuchten die anderen, ihm durch Zuspruch zu helfen. Einmal am Tage wurden ein paar Runden auf einem Hof gedreht, hintereinander, Hände auf dem Rücken. Es hieß, daß man in der Regel dort nur eine Woche sei, bis am Sonnabend der nächste Schub in ein Konzentrationslager abgehen würde, vermutlich nach Oranienburg/Sachsenhausen.



Nach der Freilassung


Ich wurde am Freitag herausgerufen, und gleich außerhalb der Tür wurde mir eröffnet, ich könnte freigelassen werden, wenn ich eine Erklärung unterschreiben würde, daß ich nicht gegen Deutschland arbeiten würde. Nun, meine ganze Tätigkeit war ja für Deutschland gewesen und sollte so bleiben - ich konnte das also leicht unterschreiben. Draussen wartete ein großer schwarzer Mercedes, ein Dienstauto der Stadt Berlin, auf mich und der Chauffeur brachte mich nach Hause.


Was war geschehen? Ich habe einige Einzelheiten erst 1995 erfahren. Ich wußte, daß meine Mutter schnellstens eine gute Bekannte, Frau Hase, aufsuchte und sie bat, sich für mich einzusetzen. Da deren Mann, ein alter N.S.-Parteigenosse, gerade Bezirks-Bürgermeister von Berlin-Schöneberg geworden war, schien es möglich, da etwas für meine Freilassung zu erreichen. Das erklärt auch den Dienstwagen bei der Abholung. Ich wußte auch, daß meine Mutter ebenfalls eine gute Freundin von ihr sofort aufgesucht hatte: Frau Grete Matthias, die Frau des Professor Matthias an der Technischen Hochschule, eine überzeugte Demokratin und Nazi-Feindin. Diese setzte sich mit der Studentenführung an der TH auseinander, bei der ich gut bekannt war, da ich bereits seit mehr als einem Jahr der de facto Leiter der Akademischen Auslandsstelle Charlottenburg gewesen war. Die Studentenführung hatte ein gewisses Interesse, mich dorthin wieder zu haben, es wäre nicht ganz einfach gewesen, einen Nachfolger für mich zu finden, der genügend Erfahrung mitgebracht hätte. Ich habe aber erst 1995 erfahren, mit welchem Argument Frau Matthias dort gearbeitet hatte. Ihre Tochter Hella, nun selber ein Universitätsprofessor, erzählte mir, daß ihre Mutter bei der Studentenführung argumentiert hatte, daß sie und andere schon seit einiger Zeit dabei waren, aus mir einen Nationalsozialisten zu machen - und sie hätten es beinahe geschafft, als die Verhaftung kam, die alle diese Anstrengungen zu zerstören drohte. Diese Aufklärung erläutert mir nun manches, vor allem das Klima, welches ich nach meiner Freilassung bei der Studentenführung vorfand, und das erheblich freundlicher war, als ich eigentlich hätte erwarten können. Die Leute der Studentenführung damals Ende Mai 1933, empfingen mich als einen, der auf dem besten Wege war, einer der ihren zu werden. Mir schien, als öffne sich hier eine Gelegenheit für mich - wenn ich schon nicht daran arbeiten konnte, die Grundprinzipien der Demokratie aufzufinden und dann bekannt zu machen - so doch den anderen Punkt zu verfolgen: die mangelnde Kenntnis der Deutschen über andere Länder verbessern zu helfen. Daran hatte es mir ja schon seit 1928 gelegen, als ich Schweden kennengelernt hatte, und deswegen war ich Mitarbeiter der Akademischen Auslandsstelle geworden. Die Herstellung von Verbindungen zwischen Deutschen und Ausländern, vornehmlich Studenten aber auch Professoren, hatte nicht nur das indirekte Potential, das deutsche Weltbild zu verbessern (mit allen den davon zu erwartenden günstigen Folgen, auch sowohl negativ wie positiv für die deutsche Selbstachtung), sondern es zeigte sich, daß in den deutsch-ausländischen Diskussionen in vielen Fällen die Ausländer recht erfolgreich waren, eine Kritik gegenüber dem nationalsozialistischen Regime wachzurufen. Es kam allerdings auch das Umgekehrte vor: daß Deutsche ihre ausländischen Diskussions-Partner von der Richtigkeit nationalsozialistischer Vorstellungen "überzeugen" konnten. Doch war das der seltenere Fall: meistens waren die Ausländer sowohl in der Technik der Diskussion erfahrener als auch im Umfang ihrer Weltkenntnis überlegen, und oftmals verfügten sie über die Vorteile einer demokratischen Erziehung.


Für mich persönlich endete zunächst die Möglichkeit, für die Demokratie direkt und aktiv zu arbeiten. Die sogenannte "Auslandsarbeit" hatte mich fortan zu erfüllen15. Wie ich dann doch noch dazu kam, das alte Ziel wieder aufzunehmen, wird unten mitgeteilt.


Vermutlich wird mir niemand vorwerfen, daß ich meine Freilassung annahm und froh darüber war, und ich hoffe, Jeder andere hätte es auch getan - aber dennoch ist es mir, wenn ich über die nun freien Flächen in den ehemaligen Konzentrationslagern gehe - etwa Dachau oder Buchenwald - als riefen mich Stimmen aus der Erde: "Du hast uns betrogen, du gehörst hierher!" Und als ich einmal, nach dem Krieg, zwischen all den Ruinen in der Innenstadt von München stand, war es mir, als müßte ich eigentlich ebenso zerstört sein wie jene Häuser um mich, ich gehörte zu den Ruinen.


In diese dunkle Welt gehört auch ein potentiell tragisches und jedenfalls schuldvolles Versagen meiner selbst, welches, da es die Radikaldemokraten berührt, hier berichtet werden soll. Ich zitiere zunächst einen Absatz aus der Holocaust-Rede, die ich 1993 hielt16:


Among the members of the Radicaldemocratic Youth group, there were many Jews. After my time in prison, I did not dare to maintain contacts with them. A few years later, one of them, a girl, called me and asked for a meeting. Before, I had liked her very much and would have loved to be her boyfriend, but she never cared for me. Now she called - did she regret her former coolness? I met her in a café and that seemed to be strange. After a few minutes, she left because she said that she had no time anymore. That was before the Jews had to carry a yellow star, it was long before the "Crystal Night" of November 1938. It was at a time, when we did not yet perceive that there was any real and fatal danger for the Jews in Germany. That sounds as an excuse for my failure to understand, but it is the only explanation I can find; I still remember how in 1945, long after the war and after my time as prisoner of war, it suddenly occurred to me, why that girl had wanted to see me. She must have hoped that I would offer her my help to escape from Germany. But I did not notice it. However, somewhere in the subconscious, I probably knew because in 1945, I also discovered that I had forgotten her name, I was not able to recollect it; it began with an S, that was all I remembered. That shadow is always at my side.


In jener Holocaust-Rede von 1993 hatte ich diesen Fall als ein erläuterndes Beispiel dafür gebracht, wie in einer Diktatur Menschen bereits in ihrem Unterbewußtsein sich Scheuklappen zulegen, die sie davor "schützen", Dinge zu sehen, durch die sie zutiefst negativ berührt werden sollten. Das ist eine Tatsache, die erklärt, aber nicht entschuldigt. Jenes Mädchen hatte jedes Recht gehabt, zu erwarten, daß ich bereits vor unserem Treffen ahnte, warum sie mich sehen wollte, und daß ich sofort nach dem Treffen mit einem Vorschlag gekommen wäre. Statt dessen begann ich, allgemeine Konversation zu halten. Dafür kann es keine Entschuldigung geben.


Meine Frau und ich, und einige meiner Freunde, erkannten nach dem Krieg, daß in einem gewissen, wichtigen Sinne wir nicht mehr ein Recht auf unser Leben hatten (denn, hätten wir im "Dritten Reich" getan, was wir hätten tun müssen, wir wären wir nicht mehr am Leben). Diese Erkenntnis war jedoch keine Aufforderung zur Selbstzerstörung nun, da das Schicksal uns bewahrt hatte. Es kam vielmehr darauf an, einerseits in einem ordentlichen Beruf eine Familie zu haben, andererseits aber herauszufinden, was denn nun getan werden müsse, um sowohl die Ideale der Demokratie wie auch ihre Anforderungen im deutschen Volk zu einem voll angenommenen Eigentum zu machen. Ich hatte ja, nach meiner Auswanderung 1961 nach Amerika, endlich erfahren, wie es darum steht.


Nach meiner Überzeugung durfte ich nicht "beschließen, ein Politiker zu werden" (horribile dictu!), sondern ich mußte ein Bürger sein, der seine Verantwortung gegenüber der Politik erkennt und nach Möglichkeit danach handelt. Alle meine Aussagen sind daher auch weder als wissenschaftliche Feststellungen aufzunehmen, noch als Positionen eines praktischen Politikers, sondern eben "nur" als die Ansichten eines solchen Bürgers.




In Deutschland nach 1945 und in Amerika 1991 bis 1995



In Deutschland 1945 bis 1960


Zur "Ausgangssituation" in Deutschland nach dem Zusammenbruch des "Dritten Reichs" hätte jemand, der schon die "goldnen" Zwanziger Jahre in Berlin miterlebte und nach dem Zweiten Welkrieg sofort aktiv an der neuen, freien Diskussion teilnahm, und schließlich auf beiden Seiten des Atlantik aktiv blieb bis gegen Ende des Jahrhunderts, vielleicht einige Bemerkungen zu machen:


Damals, vor 1930, opponierten wir gegen die Untertanen-Mentalität, welche, so schien es uns, das Denken unserer Eltern trotz der 1918er Revolution beherrschte. Wir wurden sowohl im Schulunterricht von einigen Lehrern, wie in lebhaften Diskussionen untereinander an freien Nachmittagen, und in den Berliner Theatern eng vertraut mit Bertold Brecht, Franz Werfel, Ernst Toller, Georg Kaiser und anderen. Nicht nur Schiller's GLOCKE, weite Teile aus FAUST I, Enoch Arden und manches andere Klassische kannten wir auf deutsch, englisch oder französisch auswendig, sondern auch fast die ganze DREIGROSCHENOPER, wir diskutierten den SPIEGELMENSCH von Anfang bis zum Ende, und begegneten Vielem, was uns heute manchmal als Postmodern vorgeführt wird. Da war diese Opposition gegen etwas - aber kaum etwas zu spüren, wofür man sei. Nun, das hörte 1933/1934 schnell auf, war aber 1945 durchaus noch in der Erinnerung, im Stillen vielleicht gereift durch das Älterwerden, durch viele, oft revolutionäre Erfahrung. Da war nun vor allem Besinnung. Die Mittwochnächte in der Buchhandlung Wohlgemuth in Gräfelfing kamen, wo versucht wurde, herauszubekommen, welches Menschenbild nun denn unsere Zustimmung fände, wobei die traditionell-chinesische Weisheit von Mirok Li ("Der Yalu fließt") uns oft veranlaßte, mit unseren Formulierungen gar vorsichtig zu sein; da waren die monatlichen "Gräfelfinger Teenachmittage", auf denen kritische Probleme in Argument und Gegenargument solange erörtert wurden, bis die Teilnehmer glaubten, genug erfahren zu haben, um zu ihrem eigenen Urteil zu kommen; und da waren die vielen anderen Diskussionen und Briefe. Das war vordringlich. Sich in das neu entstehende Parteigewirr zu begeben, fand sich kaum Anlaß: das Hauptproblem, was denn die Grundlagen der Demokratie seien, war noch - oder so schien es - unangetastet, und niemand schien zunächst da, einen Weg dahin zu weisen. Nach der Währungsreform am 20. Juni 1948 gab es bald wieder Bücher, auch solche auf dem Gebiet der politischen Philosophie; die meisten erscheinen allerdings, von heute aus gesehen, als reichlich parochial. Es war auch damals die Abrechnung mit den Verbrechen der vergangenen Jahren vordringlich. Persönlich wurde es außerdem sehr dringend, erst einmal Lebensgrundlagen wieder herzustellen; alles Theoretische trat in den Hintergrund.





Lehrjahre in Amerika


Für mich galt es, das Studium zu beenden und dann als Physiker zu arbeiten, bis 1960 in Deutschland, danach in den USA. Da zwischen 1933 und 1940 meine nächsten Freunde in Deutschland amerikanische Studenten waren, und wegen meiner intensiven "Auslandsarbeit", hatte ich anscheinend mehr Recht als 90% aller Deutschen, zu erwarten, daß ich Amerika gut kannte und sicherlich keine Vorurteile hätte. Das erwies sich als einer der größten Irrtümer meines Lebens. Der, wie sich herausstellte, für einen Mitteleuropäer schwierige Prozeß, Amerika und seine Demokratie zu verstehen, zog sich für mich über Jahrzehnte hin und ist auch heute noch nicht abgeschlossen, trotz einer intensiven Hinwendung zu dieser Aufgabe. Das war gleichzeitig eine Erziehung zur Demokratie. Fragen, auf die wir 1930 bis 1933 keine Antwort wußten, lagen hier nicht nur seit fast 200 Jahren beantwortet vor, sondern diese Antworten waren auch in der Praxis erprobt und dadurch modifiziert.


Dringender als bei vielen anderen Einwanderern oder Besuchern, die entweder nur für eine bestimmte und kurze Frist in Amerika sind und/oder deren Gehalt weiterhin von Deutschland kam, oder die in deutschen Niederlassungen arbeiteten, war es für mich notwendig, die Amerikaner zu verstehen. Nicht so sehr wegen meiner amerikanischen Vorgesetzten, denn die waren sehr tolerant, sondern wegen meiner amerikanischen Untergebenen, von denen ich viel Einsatz erwarten mußte. Da meine Freunde nicht wissen konnten, warum mir immer wieder amerikanische Verhaltensweisen unverständlich waren und mir deswegen auch nicht recht helfen konnten zu verstehen, blieb nichts weiter übrig, als Teile der amerikanischen Geschichte, vor allem von etwa 1570 bis etwa 1830 zu studieren. Das half tatsächlich und brachte mich in eine Lage, in der amerikanische Kollegen manchmal sagten, daß ich das sehr gut verstanden hätte. Aber dieser Lernprozeß geht immer noch weiter. Er war begleitet von einer andauernden Diskussion, in Gesprächen und Briefen, auch mit Deutschen. Dabei war die Erkenntnis nicht zu vermeiden, daß meine deutschen Diskussionspartner - unter ihnen die meisten mit hervorragender Intelligenz und soliden Kenntnissen begabt - die Grundlagen der Demokratie immer noch nicht verstanden, kaum besser als in der Weimarer Republik. Daraufhin begann ich einen Briefwechsel mit deutschen einflußreichen Persönlichkeiten. Mit sehr wenigen Ausnahmen - so kannte z.B. Otto Vossler die amerikanischen Diskussionen recht gut; Golo Mann hatte sich wenigstens Gedanken über Freiheit und Verantwortung gemacht; Ralf Dahrendorf hatte die Unkenntnis über das Verhältnis von Freiheit und Gleichheit empfunden; um nur diese zu nennen - stand es dort mit der Kenntnis der demokratischen Theorie nicht besser. Zudem waren unter meinen Gesprächspartnern viele, die nicht wußten, welche Erkenntnisse ihnen fehlten, und die deshalb keinen Antrieb hatten, sich darum zu bemühen, und mir - manchmal recht ärgerlich - erklärten, alles das sei unwichtig, interessiere niemanden und sollte auch niemanden interessieren.


Von unerwarteter Seite kam dann, überraschend, Bestätigung. Frau Prof. Dr.h.c. Elisabeth Noelle-Neumann hatte 1947 das Institut für Demoskopie Allensbach am Bodensee gegründet, welches inzwischen zu einem der besten demoskopischen Institute der Welt geworden ist. Sie erfuhr von meinen eigenen Erkenntnissen und "stimmte ihnen entscheidend zu". Mehrfache umfangreiche und detaillierte Umfragen brachten das allgemeine Ergebnis, daß die Deutschen nur eine "diffuse Kenntnis über Demoklratie und Diktatur" haben. Sie hat in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG vom 22. Februar 1990 (Nr. 22, Seite 9), und dann wieder am 20. September 1995 (Nr. 219, Seiten 5 bis 7) darüber berichtet und ihr Institut hat eine genaue Darstellung unter dem Titel "Das demokratische Defizit" mit 58 Seiten, einer Formulierung der Fragen, 19 Tabellen, und 7 Schaubildern vorgelegt. Nicht genug damit, ist das Institut inzwischen (1996) in derselben Richtung wie ich weitergegangen und hat eine Umfrage zur den Begriffen der Freiheit und der Gleichheit gestartet.


Unter meinen Gesprächspartnern war ein Mitglied der Jugendgruppe der Christlich-Demokratischen Union, der mir frank erklärte, "solange es uns gut geht, sind wir Demokraten". Mit faschistischen oder halb-faschistischen Gruppen in Frankreich, Italien, Rußland, Österreich und woanders, sollten wir diesen Zustand sehr ernst nehmen,auch wenn ein potentieller Führer einer gleichen deutschen Gruppe, Ingo Hasselbach, inzwischen umgeschwenkt ist17. Zwar ist die Gefahr einer neuen Diktatur in Deutschland mindestens nicht imminent und vielleicht überhaupt nicht ernst; auch ein neuer deutscher "Sonderweg" steht uns wohl noch nicht bevor, obwohl es Leute gibt, die einen solchen befürworten. Aber mit diesem demokratischen Defizit versagen sich die Menschen in Deutschland eine eigene Entwicklung zu einem möglichen anderen Leben nach welchem, würden sie es kennen, sie sich alle sehnen würden. Sie verpassen außerdem die Gelegenheit, die erwünschte Stabilität in allen allgemein wichtigen Dingen zu gewinnen.



Start zu einem neuen Anfang.


Im Jahre 1990 bekam ich von dem "European Office" (in London) des U.S.Navy "Office of Naval Research" den Auftrag, den Zustand der Forschung in den "harten" Wissenschaften in den fünf neuen Bundesländern Deutschlands und in Ost-Berlin zu untersuchen und darüber zu berichten18. Dazu sind meine Frau und ich im Oktober 1991 zu vielen Instituten und Kultus-Ministerien gereist. In Jena hatte sie den Gedanken, daß zwischen der Friedrich-Schiller-Universität dort und der University of Virginia in Charlottesville eine engere Zusammenarbeit wünschenswert sei - eine Idee, die ich bei der Besprechung mit dem Rektor der Universität mit der Begründung vorschlug, daß eine enge geistige Verwandtschaft zwischen Schiller und Jefferson bestünde19. Der Vorschlag wurde sowohl von dem dortigen Rektor wie später vom Präsidenten der University of Virginia angenommen. Als im Zuge der Vorbereitungen der Leiter des Jenaer Akademischen Auslandsamts nach Charlottesville kam, habe ich sodann spontan vorgeschlagen, als erste gemeinsame Aufgabe ein "Seminar" über die Theorie der Demokratie abzuhalten Das wurde sofort beiderseits angenommen, so, als habe man genau darauf gewartet - mir kam es erst hinterher, daß das ja eigentlich dasselbe war wie mein Vorschlag am 1. April 1933. Die Annahme von der amerikanischen Seite erklärt sich daraus, daß in den USA seit Jahrhunderten dies ein sehr wichtiges Thema der privaten und öffentlichen Diskussion ist, Streitobjekt in vielen Gerichtsverhandlungen, Gegenstand von akademischen Arbeiten, Ursache von vielen Büchern, Inhalt von Filmen und Fernsehsendungen. Eine Annahme auf der früher ostdeutschen Seite ist vielleicht ebenfalls verständlich: Dort hatte man in der Schule gelernt, daß an der Basis eines Staates eine wissenschaftliche Theorie stehen müsse, und wenn auch die in diesem Zusammenhang vorgebrachte Theorie sich als falsch erwies, die Notwendigkeit einer Theorie schien durchaus weiterhin gegeben zu sein. Wirklich überraschend war die allerdings nur zögernde oder nur teilweise Akzeptanz in West-Deutschland, denn, wie schon gesagt, bislang hatte ich von dort immer gehört, daß sowas nicht nötig sei und niemanden interessiere. Vielleicht hatte man nun dort die ostdeutsche Frage vernommen oder verstand doch, daß man "drüben" danach fragen würde. In Jena hat sich besonders der Rektor sehr dafür eingesetzt, und zwei Professoren haben das erste derartige Seminar für Ende Mai 1996 in Jena vorbereitet mit der Wahrscheinlichkeit, ein weiteres Seminar zwei Jahre später an der University of Virginia in Charlottesville abzuhalten, und so fort.


Ich hatte das Ganze vorgeschlagen, es hüben und drüben mit viel Energie vorangetrieben, und war auch dann am Rande an der Vorbereitung des Programms beteiligt.


Würde das Ergebnis in den Augen der Radikaldemokraten bestehen können? Dazu müßten die heutigen Deutschen erkennen, daß in einer Demokratie Jeder seine entscheidende Verantwortung trägt. Das könnte manchen Leuten, die so gerne vieles von der Regierung ausüben lassen, unwillkommen sein.

In Jena hat man sich entschlossen, als eine Art "Einstieg" in die Theorie der Demokratie Kant's nun zweihundert Jahre alte Schrift vom Ewigen Frieden zu wählen. Wir sollten dabei freilich nicht übersehen, daß bei Kant viel vom Republikanismus, aber wenig von der Demokratie die Rede ist; diese beiden Begriffe sind ja nicht synonym, in mancher Hinsicht sogar antonym. Wir sollten aber vermeiden, darin etwa einen prinzipiellen Unterschied zwischen der deutschen und der amerikanischen Demokratie zu sehen, oder gar von daher dem Staat einen bestimmenden Einfluß zuzugestehen. Kant sprach aus seiner Zeit. Viele unsere heutigen Vorstellungen von der Demokratie bestimmenden Gedanken konnten ihm noch nicht bekannt sein. Ich sehe in dieser für geplanten Tagung und ihren vermutlich folgenden Veranstaltungen - auch in Charlottesville - einen ersten Schritt zu einer fruchtbaren, lebendigen Auseinandersetzung auf internationaler Ebene und hoffe auf ein Gelingen.



Kritische Betrachtung zur damaligen Vorstellungswelt, von 1996 aus gesehen



Eine Bemerkung zur allgemeinen innenpolitischen Lage von 1930 in Deutschland:


In dem damaligen politischen Klima mußte sowohl jede bekanntwerdende innerparteiliche Auseinandersetzung wie auch jede Teilung einer Partei, sich für alle direkt Beteiligten negativ auswirken, bezeugte eine solche Aktion doch, daß man in den Grundsätzen unsicher war. Das aber schien dem deutschen Volk damals, im Gegensatz zu den festen Grundsatz-Überzeugungen sowohl der Kommunisten wie der Nationalsozialisten eine gradezu tödliche Schwäche zu sein. Auch hier tritt das Defizit an demokratischen Erkenntnissen deutlich zutage. Es gab kaum Jemanden im damaligen Deutschland, der erkannt und ausgesprochen hätte, daß solche Auseinandersetzungen über Grundsätze eine unerläßliche Bedingung für die langzeitige Stabilität des demokratischen Staates sind, obwohl doch schon 1868 der preussische Kanzler Otto von Bismarck den Kern dieser Erkenntnis von dem Deutsch-Amerikaner Carl Schurz erfahren hatte. Während in einer erfahrenen Demokratie die Neu-Auslegung und sogar das wiederholte Infragestellen als Zeichen der inneren Stärke ausgelegt oder doch hingenommen werden, waren im damaligen deutschen Klima sowohl die neue Radikaldemokratische Partei wie die Deutsche Staatspartei (die alte Deutsche Demokratische Partei) dazu verurteilt, immer mehr an Einfluß zu verlieren gegenüber den festen, wenn noch so primitiven, Überzeugungen von ganz rechts und ganz links. Vielleicht war eine Ahnung dieser Situation halbbewußt mitbeteiligt an der radikaldemokratischen Entscheidung, kein wirkliches Parteiprogramm aufzustellen? Nun, erst auf ihrem Totenbett wiesen die Radikaldemokraten ausdrücklich darauf hin, daß das deutsche Defizit an Kenntnis über die Demokratie beseitigt werden müsse.



Bemerkung zum ausgesprochenen Pazifismus der Radikaldemokraten:


Eigentlich ist es schon eine alte Weisheit, daß in dieser Welt das Leben der Menschen einer ausgesprochenen Beschützung bedarf. Das kam, z.B., auch wieder zur Sprache, als 1945 ein Berater20 der amerikanischen Militärregierung in Salzburg dieser empfahl, darauf hinzuweisen, daß während des Dreißigjährigen Krieges Salzburg befestigt und militärisch beschützt wurde und so der Boden bewahrt blieb für die ausserordentliche kulturelle Blüte, für die diese Stadt heute berühmt ist. Es wäre einer Untersuchung wert, warum dann in den Jahren zwischen 1880 und 1940 diese alte Weisheit vergessen oder diskreditiert wurde, aus bester Absicht und auch von einigen sehr klugen Menschen. Bertha von Suttner's "Die Waffen nieder!", die Tatsache, daß sie Alfred Nobel überzeugte, den Friedensnobelpreis auszusetzen, den sie dann selber erhielt, und die weitverbreitete Kenntnis dieser Parole; in der Nachfolge Alva Myrdal, die 1936 Schweden auf der Genfer Abrüstungskonferenz in Genf vertrat - bis hin zu der bewußten sowjetischen Ausnutzung der Abrüstungsparolen in ihrer ausländischen (und z.T. auch inländischen) Propaganda, das bestimmte auch die Anschauung von dem radikaldemokratischen Träger des Friedensnobelpreises Quidde und, in seinem Gefolge, von uns Radikaldemokraten. Der kritische moderne Zeitpunkt, die alte Weisheit wieder zu entdecken, hätte 1936, auf der Abrüstungskonferenz in Genf sein können, war es aber nicht. Damals mußte es jedem klar beobachtenden Menschen eigentlich klar sein, daß, wenn man den Frieden erhalten wollte, man keineswegs für Abrüstung auftreten durfte, sondern eine schnelle und starke Aufrüstung Englands, Frankreichs, Polens und der Tschechoslowakei fordern mußte. Es wird wohl noch lange dauern, bis wir sicher sein können, daß kein neuer Hitler oder Saddam Hussein wieder erscheint, denn "den Teufel spürt das Völkchen nie, und wenn er sie am Kragen hätte". - Hätten die Radikaldemokraten 1930-1933 ein Fenster gehabt, durch welches sie auf unsere Zeit hätten blicken können, sie hätten natürlich gesehen, daß das Abrüstungsprinzip selektiv und mit Klugheit angewandt werden muß, wie es etwa im START-Vertrag von heute versucht wird.


Zur Stellung der Radikaldemokraten im Rahmen der damaligen politischen Streitbegriffe.


Im vierten Abschnitt oben ("Einige Betrachtungen zur Vorstellungswelt der Radikaldemokraten") fehlt Information über die Stellung der Radikaldemokraten im Rahmen der damaligen politischen Streitbegriffe. Ich habe dort zwar gesagt, daß die Radikaldemokraten so weit "links" lagen, wie man gehen konnte bevor der Marxismus anfing, habe aber versäumt, das genauer zu definieren. Gegner, die die Radikaldemokraten damals sahen, schlossen an vornehmlicher Stelle die "Industriekapitäne und die ostelbischen Großgrundbesitzer" ein. Radikaldemokraten hätten die Meinung heftig abgelehnt, daß sie für das seien, was man damals den "Kapitalismus" nannte, und ihre "Soziale Marktwirtschaft" wäre vermutlich weitaus sozialistischer ausgefallen, als die spätere Soziale Marktwirtschaft etwa von Ludwig Erhard. Hin und wieder wurde die "radikale Demokratie" bewußt in einen Gegensatz gebracht zu einer "Konservativen Demokratie", wobei die starke Forderung der Radikaldemokraten nach Völkerverständigung und nach Pazifismus eines der Unterscheidungsmerkmale waren. Die fortdauernde Bedeutung der Radikaldemokraten war ihr unbedingtes Eintreten für die Demokratie, verbunden mit der mehr oder weniger bewußten Erkenntnis, daß solch emotionales Eintreten nicht genügte, die rationale Grundlage fehlte. Diese "mehr oder weniger bewußte Erkenntnis" findet sich indirekt mehrfach in den erwähnten radikaldemokratischen Blättern, wurde aber erst 1933 formuliert.






Anmerkung zu meinen früheren Äußerungen.


Wenn ich auf meine eigenen Beiträge in den ARadikaldemokratischen Blättern@ schaue (die unter verschiedenen Pseudonymen gedruckt wurden), so finde ich Anlaß dazu, sehr, sehr bescheiden zu sein. Da habe ich manchen Unsinn "verzapft".. Zum Beispiel kommt die traditionelle deutsche Arroganz in Hinsicht auf die USA heraus in einer gradezu grotesken Fehlbeurteilung der amerikanischen Demokratie (das war vor der Zeit meiner Freundschaften mit Amerikanern, die ich anderswo erwähne).



Nachtrag


Ich bin durch viele sich Asozialistisch@ nennende Länder gereist: die Sowjet-Union, danach auch das immer noch stark sozialistische Rußland, Estland, Polen und die Tschechoslowakei, und habe dort deutlich gesehen, dass die sozial Aunteren@ (ärmsten) Schichten der Gesellschaft dort stärker leiden und erheblich weniger Möglichkeit haben, sich zu verbessern, als in den Akapitalistischen@ Staaten.

Literatur-Nachweise


Die heute vorhandene und bekannte, erreichbare Literatur ist sehr gering, aber es war wohl auch kaum viel mehr vorhanden. Von 1930 bis 1933 schien es auf den täglichen politischen "Kampf" mehr anzukommen, als auf das Verfassen druckfertiger gründlicher Untersuchungen. Das folgende ist mir gegenwärtig21:


Zeitschrift "Radialdemokratische Blätter; Mitteilungsblatt der Radikaldemokratischen Partei"

etwa ab Mai 1930, monatlich, Druckform mehrfach variiert. Die letzte bekannte Nummer ist Nr. 2 des 3. Jahrgangs vom 15. Februar 1933.


Zeitschrift "Der radikale Demokrat, Organ der radikaldemokratischen Jugend", ab November 1930, monatlich, letzte bekannte Nummer vom Februar 1933 war Nr.2 des 4,. Jahrgangs. Herausgeber während der letzten Jahre: Hans Keibel.


"Radikale Demokratie!", kein Verfasser genannt, kein Zeitpunkt angegeben; herausgegeben von der Reichsgeschäftsstelle der Radikaldemokratischen Partei, 15 Seiten .


Kurt Rüss oder Werner Fritsch (unklar wer): "Radikaldemokratische Partei (RDP) von 1930 bis 1933", in Dieter Fricke (Hsg) "Die bürgerlichen Parteien in Deutschland - Handbuch der Geschichte der bürgerlichen Parteien und anderer bürgerlicher Interessenorganisationen vom Vormärz bis zum Jahre 1945" herausgegeben von einem Autoren-Kollektiv unter Leitung von Dieter Fricke, (Ost-)Berlin 1968, Band 2, Seiten 478-480.


Burkhard Gutleben: "Zur Geschichte des Liberalismus; Radikaldemokratiche Partei - aufrechte Linksliberale ohne Erfolg", in: LIBERAL 28:1:65-72, 1986.


Die beiden letztgenannten enthalten weitere Quellen, besonders der Artikel von Gutleben.

Ergänzungen zum Literatur-Nachweis:22


1. Berichtigung:


Im fünften Absatz der "Literatur-Nachweise": der Verfasser des Artikels

"Radikaldemokratische Partei von 1930 bis 1933" ist Werner Fritsch.


2. Weitere Literatur:


Dieter Fricke (Hrsg): "Deutsche Demokraten. Die nicht-proletarischen demokratischen Kräfte in Deutschland von 1830 bis 1945"; Berlin/Köln 1981, XXIV und 410 Seiten; vergleiche besonders Seite 290 f.


Dieter Fricke et al (Hrsg): "Lexikon zur Parteiengeschichte. Die bürgerlichen und kleinbürgerlichen Parteien und Verbände in Deutschland 1789-1945" in vier Bänden; Leipzig / Köln 1983-1986. Bericht über die Radikaldemokratische Partei in Band 3, Seiten 608-613.


Werner Stephan: "Aufstieg und Verfall des Links-Liberalismus 1918-1933. Geschichte der Deutschen Demokratischen Partei"; Vandenhoek & Rupprecht, Göttingen 1973, 520 Seiten.


Bernd Rudolph: Besprechung zum vorstehend zitierten Buch von Werner Stephan, unter dem Titel "Die Ohnmacht der Individualisten; Aufstieg und Verfall der Deutschen Demokratischen Partei" erschienen in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG vom 21.November 1974.


3. Kleine zusätzliche Bemerkung:


Von Werner Stephan wird herausgestellt, und von Bernd Rudolph unterstrichen, daß das Scheitern der Deutschen Demokratischen Partei wesentlich durch zwei Elemente erklärbar wird: einmal die schon am Anfang des Jahrhunderts von Friedrich Naumann erwähnte Tendenz der deutschen Demokraten, infolge ihres intellektuellen Hochmuts keine Bindung zur grossen Masse des Volkes zu haben, zur "Honoratiorenpartei" zu werden - und zum anderen die Tatsache, daß man in der DDP über fast alle wichtigen Tagesfragen uneins war und diese Uneinigkeit wesentlich wurde. - Uns will nun scheinen, daß beide genannten Ursachen darauf hinweisen, daß man eben die Grundprinzipien der Demokratie nicht verstanden hatte, zu denen die innere absolute und aufrichtige Anerkennung der Menschenrechte und die damit verbundene Achtung vor jedem Mitmenschen gehört. Man weiß also sehr wohl, daß der Mann auf der Straße genau so viel Stimmen bei der Wahl hat wie ich, nämlich eine. Dazu gehört auch, den Kompromiß als etwas Positives anzuerkennen und sich dementsprechend zu verhalten und zu fühlen.

12.April 1996


KAMPFLIED

DER

RADIKALDEMOKRATEN DEUTSCHLANDS

1930 - 1933



Wir kämpfen nicht um Orden,

und nicht um Glanz und Zier -

wir sind aus Not geworden,

Grau ist unser Hoffnung Panier.


Brüder, beim Kampf um das Glück,

Brüder, steht keiner zurück:

Der Grauen Front reiht er sich ein,

Wir wollen die Hüter der Freiheit sein.



Die Melodie dieses Kampflieds ist noch bekannt.




11 Herr Fuhlrott kannte aus seinen Arbeiten meinen Namen. Als er einmal in Krefeld war und im Telefonbuch nach Jemandem suchte, traf er dort zufällig auf den Namen, rief dort an und erreichte meinen Vetter, der ihm meine Nummer gab.

2offenbar, meinem heutigen Standpunkt.

3genauere Auskunft über diesen Vorfall, wie zu anderen, später zu erwähnenden, kann vom Verfasser erbeten werden.

4ein Name "Staatspartei" ist an sich schon antidemokratisch, was aber 1930 vielleicht von den damals führenden "Demokraten" selber nicht verstanden wurde.

5Gerd Bucerius war 1930 offenbar noch zu jung, um einen Einfluß auf die Entscheidungen der DDP zu haben, aber er war damals schon ein Assistent von Koch-Weser und sollte also gut Bescheid wissen.

6Das Erschütternde war die so plötzlich vermittelte Einsicht, daß das Wesen der Demokratie nicht nur 1930 von den führenden Leuten der DDP nicht verstanden wurde, sondern auch um 1990 meinem damaligen Gesprächspartner anscheinend unbekannt geblieben war.

7Der Text dieses "Kampfliedes" ist als Anlage beigefügt. Ich habe auch die Noten der Melodie ( nach meiner Erinnerung niedergeschrieben), kann sie aber im Moment nicht finden.

8einer davon war Wilhelm Hörr (1881-1970) in Friedberg (Hessen)

9etwa "Studien zur Erklärung der Menschenrechte", Historische Zeitschrift, Band 142, 1930; oder "Demokratie in Amerika", Studium Generale 4. Jahrgang, Heft 9, 1931.

00 siehe dazu etwa meine kleine Arbeit "Gesichtspunkte zur Geschichte der Politischen Ideen in Amerika" 1995 als Manuskript geschrieben (deutsche und englische Ausgaben)

11 Die Amerikaner waren bereit, zwei Dinge notwendigerweise mit Gewalt durchzudrücken: das deutsche Volk sollte die Möglichkeit erhalten, sich genügend über alles Wesentliche zu unterrichten, und es sollte freie Wahlen einrichten. Anderes Amerikanisches darüber hinaus wurde zwar als Modell angeboten, aber seine Annahme nicht erzwungen; sehr vieles wurde nicht angenommen, weswegen auch das Bonner Grundgesetz von einer anderen Natur ist als die amerikanische Verfassung.

22 Die deutschen Begriffe "rechts" und "links" haben eine andere, zum Teil entgegengesetze, Bedeutung als die gleichen amerikanischen Begriffe.

33 so zum Beispiel der von mir auf Seite 2 erwähnte Theodor Feigel und der in der Fußnote 8 erwähnte Wilhelm Hörr.

44 die in einer anderen Form schon bei Adam Smith 1776 zu finden ist - von dem wir damals allerdings noch nicht einmal den Namen kannten.

55 Diese "Erinnerungen eines Radikaldemokraten" sind ein Teil von Aufzeichnungen von Erinnerungen, oder auch Biographischen Skizzen. In teils deutscher, teils englischer Sprache bestehen bereits die folgenden anderen Teile: (1) Eine ausführliche Darstellung des Lebens als Wissenschaftler in den USA, niedergelegt auf Aufforderung meines letzten dortigen Arbeitsgebers und seither etwas ergänzt; (2) eine relativ kurze Darstellung meines politischen Lebenslaufs, hergestellt auf das Verlangen eines Herausgebers einer deutschen Vierteljahrschrift hin, welcher Beiträge von mir veröffentlichte, und, auf englisch übersetzt, als eine Grundlage für die Annahme eines Auftrags, einen halböffentlichen Vortrag über den Holocaust und deutsche Einstellungen dazu zu halten; (3) eine recht ausführliche Darstellung, auf englisch, meiner Militär-Dienstzeit im Zweiten Weltkrieg (im Jahre 1995 aus privaten Gründen aufgeschrieben); (4) eine knappe Erläuterung meiner religiösen Zugehörigkeit. Als fünftes soll eine Niederschrift über die "Auslandsarbeit" und die sie begleitenden Umstände geschrieben werden.

66 "On the Holocaust and German Attitudes", speech given by Hans Dolezalek on 27 April 1993 in the U.S.Navy Office of Naval Research. Der Text ist verfügbar.

77 siehe (a) Ingo Hasselbach with Tom Reiss: "How Nazis Are Made", THE NEW YORKER 8 January 1966, pages 36-57, mit mehreren Bildern. -- (b) Ingo Hasselbach with Tom Reis: "Fuehrer-Ex, Memoirs of a former Neo-Nazi" Random House 384pp, 1996. -- (c) Buchbesprechung des Vorhergehenden von Mort Rosenblum, in: THE WASHINGTON POST, BOOKWORLD, 119:63:E2; 6 Februar 1996. -- (d) Eine ausführliche Darstellung von Nora Boustany, mit je zwei großen Porträtaufnahmen von Hasselbach und Reiss, unter dem Titel "A Friendship Born Of History's Hatred; For an American Jew, an Ex-Neo-Nazi Offered the Key to His Family's Past", in: THE WASHINGTON POST 119:100:C1 and C6, 14 March 1996.


88 Ein vierbändiger Bericht "On the Transition of the East-German Research Landscape" von zusammen etwa 800 Seiten wurde an mehr als 3000 Stellen in den USA und Deutschland verteilt.

99 Wir können beinahe sicher sein: wenn Friedrich Schiller und Thomas Jefferson sich getroffen hätten und hätten miteinander sprechen können, würden wir heute einen oder mehrere Bände eines Briefwechsels zwischen ihnen haben, der an hypothetischer politischer Bedeutung hinter dem zwischen Thomas Jefferson und John Adams nicht nachstünde.


00 mir im Februar 1996 von ihm selber (LtCol.E.Uiberall, ret.) mitgeteilt

11 dank Herrn Lothar Fuhlrott

22 zu:"Erinnerungen eines Radikaldemokraten" von Hans Dolezalek, Ausdruck vom 15.März 1996. Wir verdanken diese Ergänzungen der freundlichen Information von Prof.Dr. Dieter Fricke, Jena.